Forschungsprojekt der
Arbeitsgruppe Höhlen
am Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik der Ruhr-Universität Bochum
Stefan NIGGEMANN & Detlev K. RICHTER

Entstehung der Höhlen im Sauerland

(ab 1993)

Zusammenfassung
Karst und Höhlen sind im Rheinischen Schiefergebirge nur auf kleine Areale zumeist paläozoischer Kalksteinvorkommen beschränkt. Dennoch sind bislang über 1000 Höhlen bekannt und dokumentiert worden. Die Höhlen selbst enthalten Informationen über Ihre Bildungsmechanismen: Die Gangsysteme orientieren sich an tektonisch vorgezeichneten Trennflächen und dem Verlauf des Karstwasserfließsystems; es gibt oftmals vorherrschende Horizontalniveaus in unterschiedlicher Höhe über dem Vorfluter; die Gangquerschnitte und Morphologie der Höhlenwände und -decken belegen eine phreatisch-korrosive Entstehung der meisten Karsthöhlenpassagen (NIGGEMANN 1994).

Dabei kann belegt werden, daß sich zumindest die großen Höhlensysteme im mitteldevonischen Massenkalk des Sauerlandes (u.a. die Dechen-, B7-, Hüttenbläserschachthhle im Grünerbachtal bei Iserlohn, die Alte Höhle in Hemer, die Friedrichshöhle im Hönnetal, die Warsteiner Bilsteinhöhle und die Attendorner Tropfsteinhöhle) über mehrere Horizontalniveaus erstrecken und morphologische Gemeinsamkeiten aufweisen. Zieht man das Sedimentinventar der Höhlenniveaus zu dieser Betrachtung hinzu, fallen weitere Ähnlichkeiten auf: Die jeweiligen Horizontalniveaus enthalten vergleichbare Sinterbildungen, die sich in Form, Typ, Größe und Alter deutlich von den Bildungen der anderen Niveaus unterscheiden. Obwohl die Datierung der Höhlensinter bislang nur unsystematisch durchgeführt wurde, zeichnet sich ein durchweg höheres Maximalalter bei Höhlensintern der oberen Niveaus (bis 340.000 a) ab, wogegen in dem untersten Niveau bislang nur holozäne Sinteralter ermittelt wurden (NIGGEMANN 1997).
In den meisten Fällen handelt es sich bei den Horizontalniveaus um seichtphreatisch entstandene "watertable caves". Dabei ist die Grundwasseroberfläche im Zuge der phreatisch-korrosiven Vergrößerung der Gangquerschnitte auf das Niveau der Höhle gefallen, die somit als unterirdische Drainageröhre auf ihre Umgebung wirkte. Diese phreatischen Höhlenbildungsphasen sind aufgrund der Korrelation von Höhlenniveaus und spätglazial entstandenen Flußterrassen in die der Terrassenakkumulation jeweils nachfolgenden Interglaziale zu stellen. Durch frühglaziale Flußeintiefung wurde die Grundwasseroberfläche abgesenkt, so daß die Höhlen drainiert wurden und in der darauffolgenden Warmzeit Sinterwachstum einsetzte. Die Vorkommen mehrerer Höhlenniveaus belegen zudem die Zyklizität des Pleistozän in Form von Glazial- und Interglazialzeiten, wobei analog zu den Terrassen die höchstgelegenen Niveaus die Ältesten sind. Eine indirekte Korrelation von Höhlenniveaus und Flußterrassen erlaubt eine Bestimmung des Mindest- und  Abschätzung des Bildungsalters der Höhlen auf etwa 700.000 bis 800.000 Jahre.
Mit der Untersuchung von Höhlen und Höhlensedimenten besteht somit ein Werkzeug, die quartäre Flußgeschichte im Mittelgebirgsbereich des Rheinischen Schiefergebirges, wo Terrassensedimente meist keine unmittelbare Datierung erlauben, zu entschlüsseln.
 

Summary
Several hundred caves are located in the massive, Middle Devonian limestones of the Sauerland, Eifel and Westerwald. Twenty seven of these caves reach 500 m in length, and two of them even reach 5000 m. The Grünerbach valley (Iserlohn, Sauerland) serves as a model of the progressive development of cave-levels. The "Rheinisches Schiefergebirge" has been subject of continued elevation since the Pliocene, with valley entrenchments and formation of river terraces predominantly controlled by climatic factors. Interglacial phases of stagnation resulted in the development of horizontal cave tunnels extending over 2 km. The indirect correlation of cave levels with the river terraces enables determination of the minimum age of the caves and the estimation of their real age, which is believed  to be some 700.000 to 800.000 years.
 

Veröffentlichungen:
HAMMERSCHMIDT, E., NIGGEMANN, S., GREBE, W.,OELZE, R., BRIX, M.R. & RICHTER, D.K. (1995): Höhlen in Iserlohn. - Schriften z. Karst- und Höhlenkunde in Westf., 1: 154 S.; Iserlohn.

NIGGEMANN, S. (1994): Morphologische Beobachtungen in sauerländischen Karbonatkarsthöhlen. - Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstforsch., 40 (2): 36-39; München.

NIGGEMANN, S. (1997): Origin and Development of Caves in the Devonian Massive Limestone of the Rheinisches Schiefergebirge (Germany). - Proceed. 12th. Intern. Congr. Speleology: 151-154; La-Chaux-de-Fonds.
 





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