Höhlenpläne

Für die meisten Höhlenforscher liegt der Reiz in der Entdeckung von neuen Höhlen oder Höhlenteilen, die zuvor kein Mensch gesehen hat. Dies ist ohne Frage ein tolles Erlebnis. Nach der Entdeckung folgt die Erstellung von Höhlenplänen, welches zu den Hauptaufgaben der Höhlenforscher gehört und oft mit großem Aufwand verbunden ist. Nur wenn eine Höhle mit ihrer Erstreckung bzw. Ausdehnung bekannt ist, und in Bezug zur Erdoberfläche gesetzt werden kann, ist es möglich sie auch effektiv zu schützen und weiter zu erforschen.
Die Höhlenpläne dienen als Grundlage für weitere wissenschaftliche (geologisch, biologisch, klimatologisch, paläontologisch, archäologisch usw.) Bearbeitungen einer Höhle.

Die Erstellung von Höhlenplänen ist Teamarbeit, denn jeder Plan setzt als erstes eine Vermessung der Höhle voraus. Die Vermessung erfolgt meist als Polygonzug, d.h. in der Höhle wird von Punkte zu Punkt vermessen. Die Messgeräte sind meist Kompass, Maßband und Neigungsmesser. Auch in der Höhlenvermessung kommen trotz des Drecks und der Feuchtigkeit mitlerweile immer mehr digitale oder lasergestützte Messgeräte zur Anwendung. Eine gute Übung zur Vermeidung von Messfehlern ist dabei unerlässlich. Die Ausbildung findet meist in den Höhlenvereinen selbst statt.


Die Messpunkte werden in der Höhle dezent markiert, damit sie bei einer späteren Vermessung wiedergefunden werden können. Der gemessene Polygonzug kann von Hand berechnet und gezeichnet werden oder er wird heute direkt in ein entsprechendes Programm gegeben, welches dann die Höhle als Polygonzug sogar dreidimensional darstellen und ausdrucken kann. Die Original-Datenblätter sollten immer behalten werden; für alle Fälle!
Ein weit verbreitetes Höhlen-Vermessungs-Programm ist CaveRender.
Hier findet sich auch eine ausführliche Dokumentation über die Höhlenvermessung.

In einem weiteren Schritt werden die Höhlenwände gezeichnet. Da eine Höhlenwand in der Natur nie eben und glatt ist und viele Nischen hat, ist dieser Arbeitsschritt oft sehr subjektiv. Zumeist wird direkt auf dem PC gezeichnet, was zuvor in der Höhle skizziert wurde. Ein digital vorliegender Höhlenplan hat den Vorteil, dass Änderungen und Ergänzungen einfach vorgenommen werden können und er sich in unterschiedlicher Weise (Schwarz/Weiß, farbig) ausdrucken läßt. Auch für Veröffentlichungen wird heutzutage meist eine digitale Form benötigt.

Ein sehr arbeitsintensiver Schritt ist dann die Aufnahme und graphische Darstellung des Höhleninventars. Dies ist nicht unbedingt für jede Höhle erforderlich, je nach Fragestellung der wissenschaftlichen Bearbeitung. Eine internationale Kommission der UIS hat bestimmte Symbole für Höhlenpläne festgelegt bzw. empfohlen. Es gibt aber noch weitere Symbole die oft Verwendung finden. Im Laufe der Zeit haben wir in Anlehnung an die UIS und BÖGLI (1978), sowie anderen Vergleichsmöglichkeiten und eigenen Entwürfen, in Zusammenarbeit mit mehreren Höhlenforscher-Vereinen, eine Legende für Höhlenpläne im Maßstab 1:100 und 1:200 erstellt.Wir hoffen, dass dieser Vorschlag bei der Erstellung neuer Höhlenpläne Anklang findet. Für Ergänzungen und Anregungen sind wir dankbar.
Die Legende als Download im PDF - Format (140 kb)

Entwicklung eines Höhlenplanes am Beispiel des Gauchenschachtes im Allgäu:

Ausdruck des Polygonzuges (Grundriss) und Reinzeichnung der Höhlenwände.
Reinzeichnung des Höhlenplans (Grundriss) am PC mit einem Grafikprogramm und Eintragen des Höhleninventars.

Dreidimensionale Ansicht des Polygonzuges mit dem Programm CaveRender. Die Messlinien sind nach Tiefe farbig markiert.
Fertiger Aufriss des Gauchenschachtes. Bei tiefen Höhlen ist der Aufriss oft mehrsagender als der Grundriss.

Im Rahmen vieler Projekte wurden neue Höhlenpläne erstellt oder ergänzt. Für Detailpläne wird meist der Maßstab 1:100 verwendet. Dies ist in vielen Fällen notwendig, um die zahlreichen Details in schmalen Gangpassagen eintragen zu können. Dadurch ergaben sich auch große Pläne mit mehreren Metern Länge. Für Veröffentlichungen ist es sinnvoller mehrere Detailblätter anzulegen, wie z.B. für die Zoolithenhöhle in
DREYER, R. (2000): Die Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth (Fränkische Alb): Revisionskartierung und Ereignisabfolge. - In: RICHTER, D.K. & WURTH, G. (Hrsg.): Beiträge zur Speläologie 1 - Bochumer geol. u. geotechn. Arbeiten 55.
oder die Dechenhöhle in:
NIGGEMANN, S. (1997): Geologische Kartierung des Sedimentinventars der Dechenhöhle. - In: Speläologisches Jahrbuch - Verein für Höhlenkunde in Westfalen 1997.

Die Höhlenpläne können aufgrund ihrer Größe hier jedoch nicht veröffentlicht werden. Auch werden bestimmte Daten und Pläne von gefährdeten Höhlen nach den Richtlinien des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher (VDHK) nicht im Internet veröffentlicht.

Beispiele für fertige Höhlenpläne:

Ausschnitt eines Grundriss-Planes mit Höhleninventar in Schwarz/Weiß.
Ausschnitt eines Grundriss-Planes mit Höhleninventar in Farbe.




Anmerkungen und Fragen bitte an: dechenhoehle@t-online.de Die Dechenhöhle bei Facebook Impressum