Naturkundliches zur Dechenhöhle

Geologie

Die Dechenhöhle befindet sich in einer nur wenige hundert Meter breiten Massenkalksenke, die sich von Hagen ostwärts bis in das Hönnetal bei Balve erstreckt. Diese sehr reinen Kalksteine wurden und werden in großen Steinbrüchen abgebaut. Sie entstanden vor etwa 380 Millionen Jahren im oberen Mitteldevon, als der nördliche Teil des heutigen Sauerlandes von einem flachen, lichtdurchfluteten tropischen Schelfmeer bedeckt war. Je nach Wassertiefe lagerten sich Stromatoporen (Kalkschwämme) und Korallen, Schnecken und Brachiopoden (Armfüßer) oder einzellige Kleinstlebewesen mit ihren Kalkgehäusen im seichten Wasser zu ausgedehnten flachen Riffkrusten, sogenannten Biostromen an.

Im nachfolgenden Karbon wurden die Kalksteine zusammen mit den unter- und überlagernden Sand- und Tonsteinen zum varistischen Mittelgebirge aufgefaltet. Daher sind die ursprünglich waagerechten Gesteinsschichten in der Dechenhöhle und ihrer Umgebung heute schräg verstellt. Das spröde Kalkstein zerbrach bei diesen Faltungsvorgängen wiederholt.

Kalkstein oberhalb der Dechenhöhle

Aus dem Zeitalter der Dinosaurier (Trias, Jura, Kreide) sind aus der Umgebung der Dechenhöhle keine wesentlichen Zeugnisse bekannt. Lediglich im Höhlenlehm finden sich Mikrofossilien aus der Kreidezeit, die über Spalten von der Karstoberfläche in die Höhle geschwemmt worden sind.

Vor etwa 20 Millionen Jahren im Tertiär begann sich das heutige Sauerland langsam emporzuheben. Schließlich führte eine Klimaverschlechterung vor etwa 2 Millionen Jahren zum Eiszeitalter (Quartär). Phasenweise wechselten sich Kalt- und Warmzeiten ab. Zu Beginn der Kaltzeiten tieften sich die Flüsse erosiv in den Taluntergrund ein und der Grundwasserspiegel sank ab. In den Warmzeiten dagegen blieben die Talauen und somit der Grundwasserspiegel weitgehend unverändert. Zu diesen Zeiten konnten Risse und Fugen im Kalkgestein durch kohlensäurehaltiges Grundwasser aufgelöst und zu Höhlen erweitert werden. Durch das Absinken des Grundwasserspiegels in der nachfolgenden Kaltzeit fiel die entstandene Höhle trocken, so daß sich auf einem unteren Niveau im Berg später ein neues Höhlensystem entwickeln konnte. Die Dechenhöhle diente so lange Zeit als unterirdischer Entwässerungskanal und als Flußlauf. Vermutlich bildete sie sich in ihrer heutigen Gestalt in einer Warmzeit vor mehr als 800.000 Jahren. Heute fließt das Wasser in der 25 m tiefer gelegenen Knitterhöhle. Alle Höhlen des Grünerbach- und Lennetals erstrecken sich weitgehend auf verschiedenen horizontalen Niveaus.

In den trockengefallenen Gängen der Dechenhöhle begann die Tropfsteinbildung in der nachfolgenden Warmzeit. Das in den Untergrund eindringende Regenwasser löst entlang von Rissen und Klüften Kalk auf. Dieses mit Kalk gesättigte Sickerwasser gibt beim Eintritt in die lufterfüllte Höhle Kohlendioxid ab. Als Folge scheidet sich ein Teil des gelösten Calciumkarbonats als Tropfstein (Höhlensinter) aus. An der Höhlendecke bilden sich herabwachsende Stalaktiten, auf dem Boden entstehen durch das auftreffende Wasser nach oben wachsende Stalagmiten. An manchen Stellen vereinigen sich Stalaktiten und Stalagmiten zu Säulen. An den Wänden abrinnendes Wasser erschafft hauchzarte Sintergardinen. Darüber hinaus finden sich zahlreiche weitere Sinter- und Kristallbildungen in der Dechenhöhle. Mittels der aufwendigen physikalischen Thorium-Uran-Methode wurde das Alter einiger Tropfsteine bestimmt. Die älteste Datierung ergab einen Wert von etwa 500.000 Jahren. Die jüngsten Tropfsteine sind nach der letzten Eiszeit gewachsen und sind somit an der Basis etwa 10.000 Jahre alt. Das Tropfsteinwachstum schreitet heute weiter fort.

Fossile Knochenfunde

In den mehrere Meter tief herabreichenden Bodenschichten der Dechenhöhle wurden tausende Knochen und Zähne der Tierwelt des Eiszeitalters entdeckt. Vorherrschend sind Überreste des Höhlenbären, vertreten sind auch Höhlenlöwe, Höhlenhyäne, Rentier, Riesenhirsch, Mammut und wollhaariges Nashorn. 1993 entdeckten Höhlenforscher einen vollständig erhaltenen Oberschädel des seltenen Wald- oder Merck`schen Nashorns in einer Nebenhöhle der Dechenhöhle. Dieses Nashorn lebte im Gegensatz zu seinen behaarten Verwandten in den Warmzeiten und ist vor etwa 80.000 Jahren ausgestorben. Der Schädel ist im Höhlenkundemuseum ausgestellt. Januar 2000 wurde bei einer wissenschaftlichen Grabung das Skelett eines Höhlenbären-Babys entdeckt. Die zahlreichen Knochen des Höhlenbären zeigen, dass dieser Großbär die Dechenhöhle zum Winterschlaf und als Sterbeort aufgesucht hat.

Spuren der Anwesenheit des Menschen wurden bislang in der Dechenhöhle nicht gefunden. Allerdings gibt es Zeugnisse einer Besiedlung des Grüner Tals durch Neandertaler, wie Funde von Steinwerkzeugen in benachbarten Höhlen belegen. Darüberhinaus fanden Höhlenforscher 1992 in der talaufwärts gelegenen Bunkerhöhle vom Urmenschen bearbeitete Skeletteile einer 45.000 Jahre alten Rentierkuh. Auch diese Knochenfunde sind im Museum zu besichtigen.

Skelett eines Höhlenbären-Babys

Heutige Lebewelt

Höhlen in Mitteleuropa werden nur von wenigen Tierarten aufgesucht. Dunkelheit, die hohe Luftfeuchtigkeit und die gleichbleibende Temperatur von 8-10 °C stellen hohe Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit der Lebewesen. Die dauerhaft in Höhlen lebenden Tiere sind Kleinlebewesen, die der Höhlenbesucher kaum bemerken wird. Auffallender sind da die Fledermäuse, die vereinzelt in der Höhle umherfliegen. Am häufigsten kommt die Wasserfledermaus vor. Im Eingangsbereich der Dechenhöhle bauen die bis zu 5 cm großen Höhlenspinnen ihre Netze. Desweiteren überwintern manche Falterarten wie Zackeneule, Wegdornspanner und Tagpfauenauge in den eingangsnahen Höhlenbereichen.

In beleuchteten Höhlen wie der Dechenhöhle entwickeln sich in der Nähe der Lampen Algen, Moose und Farne zu einer Lampenflora. Pilze siedeln vereinzelt auf Fledermauskot oder Nahrungsresten von Tieren und Menschen.

Höhlenspinne




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