Forschungsprojekt der
Arbeitsgruppe Höhlen
am Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik der Ruhr-Universität Bochum
Rasmus DREYER, Rafael GRAW & Detlev K. RICHTER

Geologische Untersuchungen im Bilsteinhöhlensystem bei Warstein

(ab 1997)

Die im Rahmen einer Diplomkartierung stattfindenen Untersuchungen haben zum Ziel, einen neuen verbesserten Grundrißplan im Maßstab 1:100 zu erstellen sowie erstmalig das gesamte Inventar des Systems so ausführlich wie möglich zu kartieren. Hierzu erfolgten umfangreiche Vermessungen anhand von Polygonzügen, insbesondere in den weniger erforschten Nebengängen. Teilweise konnte dabei auf vorangegangene Vermessungen der Speläogruppe Letmathe zurückgegriffen werden. Desweiteren werden Profilschnitte und ein Aufrißplan des Systems neu erarbeitet.

Übersichtplan
Die "Orgel"

Zur Geschichte der Höhle:
Der heutige Schauteil des Bilsteinhöhlensystems wurde 1887 von dem Waldarbeiter Franz Kersting zufällig entdeckt und schon wenige Jahre später von dem Geologen Dr. E. CARTHAUS auf paläontologische und archäologische Funde hin eingehend untersucht, indem ein Großteil des leicht zugänglichen Höhlensediments ausgeräumt wurde. Ein Teil der Funde wird heute im "Haus Kupferhammer", einem Museum der Stadt Warstein, aufbewahrt. Die von CARTHAUS bearbeiteten Höhlenteile wurden von ihm benannt und erstmalig beschrieben.
Noch im letzten Jahrhundert wurde ein etwa 400 m langes Teilstück der Höhle ausgebaut und der Öffentlichkeit freigegeben. Sehr früh wurde zunächst eine Gasbeleuchtung installiert, welche später auf elektrische Beleuchtung umgestellt wurde.
Die letzte Bearbeitung der Bilsteinhöhle erfolge 1979 durch MEIBURG & STOFFELS.


Das Höhlensystem ist als schönes Beispiel einer mehretagigen, in den tieferen Teilen aktiven Bachhöhle bekannt. Sie befindet sich im östlichen rheinischen Schiefergebirge, in der landschaftlich reizvollen Region um die Stadt Warstein.
Sie befindet sich am Westrand des Warsteiner Sattels, im Massenkalk des oberen Mitteldevons. Das Höhlensystem hat eine Nord-Süd-Erstreckung von etwa 360 m. Es erstreckt sich unterhalb steil aufragender Felsen am Osthang des Bilsteinbach-Tales. Dieser Bach entspringt in einem Hochmoorgebiet und weist entsprechend niedrige pH-Werte auf. Bei Erreichen des Massenkalkareals versickert ein Teil des Baches in einem Ponor und durchfließt die unterste Höhlenetage, um schließlich am Nordende der Bilsteinhöhle wieder zutage zu treten.

Das bisher bekannte System besteht aus sechs Einzelhöhlen, von denen drei seit langer Zeit als Kulturhöhlen bekannt sind. Menschliche Knochenfragmente, Steinwerkzeuge (Altsteinzeit) und Tonscherben (Eisenzeit) sind nachgewiesen. Dazu kommt eine umfangreiche eiszeitliche Säugetierfauna.
Etwas abseits liegt der 42,5 m tiefe Bilsteinschacht. Der Zusammenhang dieser Höhle mit dem Rest des Systems ist noch unklar.
Übersichtplan
Übersichtskarte über das Bilsteinhöhlensystem bei Warstein

Aufriß der Bilsteinhöhle
Aufriss des Bilsteinhöhlensystems

Typisch für das Höhlensystem ist der schnelle Wechsel von Rundprofilen zu meterhohen Kluftgängen. Weiterhin sind aufgrund der geringen Überdeckung und/oder der starken Zerklüftung des Gesteins häufiger Verstürze anzutreffen.

Das Sinterinventar der Bilsteinhöhle beschränkt sich auf die obere und mittlere Höhlenetage. Es dominieren Stalagmiten, Kaskaden, Sinterfahnen und -vorhänge. Auffallend sind die großflächigen ockerbraunen Sinterüberzüge an den Höhlenwänden. Daneben gibt es auch filigranere Formen, wie Excentriques und koralloide Sinter. Korrosive Hohlformen prägen an manchen Stellen das Felsrelief.
Die aktiven, tieferen Teile der Höhle sind in Abhängigkeit von den Niederschlagsmengen häufig komplett überflutet und dementsprechend feucht und lehmüberzogen. Sie sind sinterfrei, weisen aber schöne Fließfacetten und andere Lösungsformen auf.

In den leicht zugänglichen Höhlenteilen sind die Sinterformen aufgrund des beinahe einhundert Jahre andauernden Besucherverkehrs -wie in anderen Schauhöhlen auch- teilweise verfärbt und beschädigt, ebenso der seit jeher zugängliche Bereich der Kulturhöhlen. Dennoch besitzt das Höhlensystem gerade in der "Großen Halle", der "Halle der 60 Riesen" und in den unzugänglicheren Teilen schöne Tropfsteinbildungen.

Neben der Sinterinventaraufnahme werden auch alle anderen Beobachtungen wie z.B. die rezente Höhlenfauna und -flora erfaßt.

Literatur:

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CARTHAUS, E. (1890): Die Bilsteinhöhlen bei Warstein, - Festschrift zur 21. allgemeinen  Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft, Münster

CARTHAUS, E. (1928): Die Bilsteinhöhlen bei Warstein - Warstein (Hennecke)

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